Grosshubschrauber CH53 mit OF 6 Blatt


CH53 mit Actronic 80-32

Rohbau CH53 mit OF 6 Blattkopf im Schwebeflug

Anmerkung vorab

Die Actronic 80-32 (Testregler) kann derzeit nicht verwendet werden, da der Regler seit November 2005 bei der Firma Koehler zur Ueberpruefung (wegen unkontrollierter Abschaltung im Teillastbetrieb) ist und ich seither trotz wiederholter Anfragen nichts mehr von der Firma gehoert habe, obwohl mir ein Regler aus der Serienproduktion zugesichert wurde. Die Wartezeit von mehr als 6 Monaten (Stand 29.06.2006) ist in diesem Fall nicht akzeptabel, sodass ich mich entschlossen habe, einen alternativen Regler zu suchen. Im November 2006 habe ich mit der Firma Koehler auf der Messe in FN gesprochen und habe daraufhin einen Serienregler Actronic 80-32 bekommen. Diesen werde ich erneut in der kommenden Saison 2007 ausgiebig testen......

Daten:

Pilot und Erbauer
Armin Köppel
Rotordurchmesser
200 cm
Motor
Actro 32-4 (Regler wird noch evaluiert)
Akku
32 Zellen
Gewicht
9100 g
Rotorkopf
OF 6 Blatt
Rotorblätter
OF CH53 Blätter
Rotordrehzahl
1200 - 1300 U/min
Mechanik
Comeback modifiziert für Elektroantrieb
Übersetzung
1:11

Testbericht

Wie kam es zu diesem Projekt? Meine Kollegen vom OF-Heliteam fliegen fast alle eine CH53/MH53 mit OF 6 Blattkopf mit 2 Meter Rotordurchmesser und einem 4 Blatt Heckrotor mit einem Durchmesser von 44,3 cm. Ich wollte natürlich auch so einen "Ding" fliegen, aber unter der Voraussetzung, dass dieser Heli, wie alle meine Flugzeuge, elektrisch angetrieben wird. Viele meiner Kollegen waren skeptisch, ob dieser Hubschrauber elektrisch in die Luft zu bekommen sein wird, zumal alle bisherigen Antriebe nicht unter einem 45ccm Benzinmotor oder mindestens mit einem 20ccm Methanol Motor ausgestattet waren. Bei diesem Projekt musste ich zunächst erst mal eine Marktanalyse machen, ob es denn überhaupt geeignete E-Motoren und Regler für diese Leistungsklasse gibt. Ich landete bei der Firma Köhler Elektromotoren GbR und wurde als Tester für die neue entwickelte Actronic 80-32 für Grossmodelle ausgewählt. Als Motor kam der Actro 32-4 zum Einsatz. Die verwendete Comeback Mechanik hat den Vorteil, dass es sich um ein einstufiges Getriebe handelt, womit der maximale Wirkungsgrad eines Getriebes realisierbar ist.

Actronic80-32 mit Comeback Mechanik

Beim Helitreffen in Stabio 2004 im schönen Tessin (CH) war es dann soweit: Ich hatte die rohbaufertige CH53 entsprechend mit den beschriebenen Komponenten ausgestattet. Auf eine Kühlung des Testreglers und des Motors wollte ich absichtlich beim ersten Test verzichten, obwohl ein Lüfter schon auf der Actronic 80-32 befestigt war. Die Umgebungstemperatur lag bei etwa 28 °C. Das Gewicht des Helis betrug aufgrund des rohbaufertigen Zustands nur ca. 9100g. Das Gewicht im Endzustand wird wohl bei mindestens 10500g liegen. Die Actronic 80-32 (Testversion mit grossem Alukühlkörper, Lüfter und Kabel) wog ca. 200g. Als ich den Schieberegler für die Motordrehzahl nach vorne schieben wollte, versuchte die Actronic den Motor in Gang zu bringen. Der Anlauf war jedoch aufgrund des sehr hohen Massenträgheitsmoments des 6 Blatt Rotorkopfes nicht möglich. Erst als einer meiner Kollegen den Rotor händisch in Schwung versetzte klappte es zufällig mit dem Anlauf des Motors. Ich konnte auf Anhieb mit dem Heli in einer Höhe schweben, die außerhalb des Bodeneffekts lag. Es war auch ausreichend Reserve vorhanden, damit man wegsteigen konnte. Nach ca. 4 Minuten setzte ich wieder zur Landung an. Der Motor war recht heiss, der Kühlkörper der Actronic 80-32 war nur warm geworden, d.h. der Regler ist für mein Projekt perfekt geeignet. Der Akku war schon in einem Zustand, den man als nicht mehr "vertretbar" bezeichnen könnte. Es war unmöglich, den Akku mit den Händen anzufassen. Leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt kein Strommessgerät zwichen Akku und Regler angeschlossen gehabt. Es müssen jedoch im Schwebeflug Dauerströme von über 35A oder 40A geflossen sein. Eines war klar: Die Sanyo NiMH 3300HV Zellen, sind für mein Projekt untauglich.

Am nächsten Tag versuchte ich einen Start mit nur 2 montierten Hauptrotorblättern. CH53 mit 2 Blättern

Der Hochlauf des Motors war ohne Probleme möglich. Der Lauf mit nur 2 Blättern war jedoch sehr unruhig und ich beschloss, erst gar nicht mit dem Heli abzuheben. Ich war ja eigentlich nur interessiert, die Ursache für den gescheiterten Hochlauf mit 6 Blättern herauszufinden. Eine Rücksprache mit der Firma Köhler ergab, dass es durchaus möglich ist, den Regler so zu programmieren, dass der Hochlauf auch mit dem hohen Massenträgheitsmoment der 6 Rotorblätter funktioniert. Das müßte aber iterativ ausprobiert werden, denn die Firma Köhler hat verständlicherweise nicht jedes Massenträgheitsmoment als Testsobjekt zur Verfügung. Eine Messung beim Anlauf des Motors hat ergeben, dass der Strom, den ich mit einem Zangenampermeter zwischen dem Akku und dem Regler gemessen habe, Werte zwischen 25 und 41 Ampere hatte. Das ist die Phase beim Anlauf des Motors, in der die Synchronisierung des Drehfeldes im Motor noch nicht stattgefunden hat. Diese Werte erschienen mir recht hoch, zumal der Anlauf des Motors auf diese Art nie so programmiert werden kann, dass der Rotorhochlauf vorbildgetreu ist. Ich habe mich deshalb dazu entschlossen, eine Kupplung einzubauen, wie sie bei einem Verbrennungsmotor verwendet wird.

Demnächst werde ich darüber berichten, wie der Hochlauf damit funktioniert. Zudem werde ich noch einen
anderen Motor (Actro 40-4) verwenden, da das Übersetzungsverhältnis in der Comeback Mechanik besser auf diesen Motor angepasst werden kann.


8.9.2005

Endlich ist es soweit, dass ich den Bericht fortsetzen kann. Ich wollte unbedingt meine CH53 fuer das Tandemmeeting in Stabio 2005 fuer einen Erstflug fertig haben, aber es fehlten noch die letzten Aufkleber und der Klarlack und natuerlich noch einige Scale-Details. Hier einige Fotos vor der Lackierung und vor dem Aufbringen der ca. 30000 !!! Nieten.
Von der Seite....
CH53 im Rohbau ohne Nieten
Und von hinten....
CH53 im Rohbau ohne Nieten
Die fehlenden Aufkleber konnte ich in Stabio noch aufkleben, sodass ich mich dann doch entschloss, wie geplant einen 2. Erstflug mit modifiziertem Motor und eingebauter Kupplung zu machen. Uwe Welter von der Firma Aero-Tec hatte fuer den Actro Motor eine Benziner Kupplung angepasst, womit sich die Comeback Mechanik jetzt eigentlich nur noch durch den antreibenden Motor von der Comeback-Benzinermechanik unterscheidet. Als Antriebsakku verwendete ich nun Lipo Zellen (Kokam 3200 10s2p). Dieser Akku ist in der Lage den benoetigten Dauerstrom von ca. 40 A und auch einen maximalen Strom von bis zu 100 A zu liefern. Am Mittwoch vor dem Meeting in Stabio war es dann also soweit. Ich startete den Turbinen-Sound, den ich von einer originalen CH53 in Laupheim aufnehmen durfte. An dieser Stelle moechte ich Hauptmann Maly von der Bundeswehr danken. Nach ca. 45 Sekunden schob ich dann den Schieberegler fuer den Elektromotor am Sender nach vorn und der Motor startete problemlos. Bei ca. 4000 U/min griff die Kupplung sanft ein und der 6 Blatt OF Rotor begann sich langsam wie beim Original zu drehen. Das waere ohne Kupplung nur sehr schwer machbar gewesen, da der sensorlose Motor/Regler dazu nicht in der Lage ist, einen ruckfreies Anlaufen zu realisieren. Nachdem die Rotordrehzahl auf ca. 1100 U/min angestiegen war, hob meine CH53 ab. Es war wie ein Traum, der in Erfuellung ging, als ich meine CH53 mit Elektroantrieb und einem Gewicht von ca. 10500 g vor mir schweben sah. Auch die Rundfluege funktionierten auf Anhieb sehr gut. Eine Ruecksprache mit Raimund Zimmermann von der Rotor Fachzeitschrift hat ergeben, dass es in ganz Europa und vermutl. weltweit noch keinen bekannten Modell-Heli mit 6 Blatt Rotor mit 2 m Rotordurchmesser und einem 4 Blatt Heckrotor gibt, der elektrisch mit Original-Sound angetrieben wird und auch noch gut fliegt. Diese Info war natuerlich eine Art Belohnung fuer meine Arbeit. Das Projekt hat sich meiner Meinung nach gelohnt.
CH53 im Schwebeflug: CH53 im Schwebeflug
CH53 im Schwebeflug
Nach 5 Minuten Flugzeit beschloss ich zu landen und alle elektrischen Einheiten wie Motor,Regler und Akku auf Uebertemperatur zu pruefen. Der Motor hatte eine Wicklungstemperatur von gerade mal 60 Grad Celsius. Die Reglertemperatur lag bei 30 Grad Celsius und die Akkus hatten 42 Grad. Somit lagen die Temperaturen im gruenen Bereich.
CH53 auf dem Boden: CH53 auf dem Boden
CH53 auf dem Boden

Inzwischen hat meine CH53 noch einen Klarlack und noch ein paar Decals mehr bekommen (28.09.2005).
Hier noch einige Fotos dazu: CH53 auf dem Boden
CH53 auf dem Boden
CH53 auf dem Boden
CH53 auf dem Boden
CH53 auf dem Boden